Out in the Outback

Ich habe jetzt den zehntägigen Trip durch den Outback hinter mir. Knapp 4000km von Adelaide nach Darwin mit Abstecher zum Urulu (Ayers Rock). Ein unvergessliches Erlebnis, das mich glücklich macht wie schon lang nicht mehr, auch wenn es mich an den Rand meiner finanziellen Möglichkeiten brachte.
 
 
Den Trip habe ich über einige Wochen geplant, die Idee ist entstanden, als ich im März beschloss das Land zu verlassen und wieder in den heimischen Kontext, sprich Europa, zurückzukehren. Dies vor dem Hintergrund das ich die Permakultur und die Arbeit in der Landwirtschaft mehr vor der mir bekannten Pflanzen- und Tierwelt kennenlernen möchte. Und auch, weil ich das Gefühl hatte, genug von Australien gesehen zu haben, mit dem Besuch auf der Kräuterfarm alles gemacht zu haben, was für mich hier anstand. Mit den Überlegungen zur Rückkehr stellte ich jedoch fest, dass ich von Australien nur die Ostküste und den Süden gesehen hatte, der grosse Teil des Landes war mir unbekannt geblieben. Zudem hatte ich eine nette Einladung aus Darwin, wenn ich da vorbeikommen sollte, mal vorbeizuschauen. Daraus wurde schnell die verwegene Idee, einmal ganz von Süden nach Norden durchs Land zu reisen, und zwar nicht in der Luft sondern auf der Strasse, um die Dimensionen dieses riesigen Landes zu er-fahren…
 
Die Planung ergab schnell, dass es teuer werden würde, Miet-Wohnmobile sind hier sehr teuer, Autostopp auf der Strecke ist nicht empfohlen (wie ich unterwegs erfuhr, ist es tatsächlich fast unmöglich). Ich hab also all mein Geld zusammengekrazt und den kleinstmöglichen Minicamper gebucht, und zwar auch nur für die Strecke von Adelaide nach Darwin, denn ab Melbourne wars teurer gewesen als mein Budget erlaubte. All dies durchgerechnet und geplant (ja, hier habe ich doch wieder mal geplant, das war aber auch okay), die Flüge zurück über Singapore nach Europa gebucht, und mich dann mit knappn Budget auf die grosse Reise gemacht.
 
Am 29. April gings in Adelaide los, ich hab zuerst noch eine Tour in die Umgebung gemacht und mich dann in Richtung Norden aufgemacht, in Richtung Port Augusta. Das war alles noch schön in der Zivilisation und Port Augusta war der letzte Vorposten, in welchem man zu vernünftigen Preisen tanken und sich sonst versorgen konnte. Dort kam aber auch der Schreck: als ich mich nochmals mit Bargeld versorgen wollte, gab der Automat keins mehr raus, weil aufgrund von Doppelbuchungen und anderer Dingen kein Guthaben verfügbar war. Und das Bargeld reichte gerade mal für 1-2 mal tanken, also rund 1000km bei rund 3000km Wegstrecke. Da ging der innere Prozess schon mal los… Ich hab dann noch schnell eine E-Mail an meine Eltern abgesetzt, mit der Bitte mir auszuhelfen und bin dann doch aufgebrochen, vertrauend das sich Lösungen auftun werden und anderfalls ich dann nach Lösungen finden werde. Es war gutes Anschauungsmaterial, meine inneren Ängste anzuschauen: im Nirgendwo verlassen zu stranden, niemand wird mir helfen, ich werde verhungern usw.
 
Soweit kam es nicht, denn sonst würde dieser Beitrag hier nicht stehen und ich hätte nichts mehr zu schreiben ;-) Eine Tagesreise weiter fand ich dann zufällig in meinem Gepäck doch noch die eiserne Euro-Reserve für meine Heimreise nach Europa, die ich komplett vergessen hatte. Dieses konnte ich bei den kleinen Landbanken zu nicht besonders gutem Kurs wechseln, dennoch war damit mein Trip bis nach Darwin gesichert. Es liest sich hier jetzt schon einfach, aber es war, auch wenn es sich nicht so bedeutend anhört, doch ein gewagter Schritt, nach Port Augusta denoch loszufahren ohne zu wissen, wie ich in Darwin ankommen werde. Hinter Port Augusta beginnt nämlich die grosse weite Verlassenheit Australiens, der sogenannte Outback. Die Tankstellen sind ein paar hunder Kilometer auseinander, es gibt nur zwei Städte mit ein klein wenig Infrastruktur, nämlich Coober Pedy und Alice Springs, ansonsten ist da grosse Weite ohne Telefon und Internet. Und nur Geld für ca. für ein Drittel bis die Hälfte der Strecke. Ich kann versichern, das mein Kopfkino ein Tag lang ganz gewaltig ratterte und es nicht leicht war, das Vertrauen zu halten.
 
In Coober Pedy (500km im Nirgendwo) hat sich dann – wie gesagt – alles aufgelöst, nach dem Tanken dort suchte ich noch nach meiner anderen Bankkarte, um zu sehen, ob darüber noch was geht. Und da fand ich mein Reservegeld. Damit war alles wieder gut, das Kopfkino hat seinen Frieden gefunden. Und ich konnte den weiteren Trip entspannt geniessen…
 
Zurück zur Reise: hier die Impressionen zum ersten Abscnitt:
 
Damit bin ich Opal-Zentrum der Welt angekommen. Coober Pedy ist eine faszienierende Stadt, sie ist komplett ein Opal-Feld und die Häusser sind meist in den Untergrund gebaut, in leere Minenschächte und mit vielen aktiven Minen in und um die Stadt, hier ein paar Impressionen:
 

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In einem Campingpark, wo ich mal kurz duschen konnte, erfuhr ich, dass es in der Stadt zwei Gebiete gab, die für jeden zum Opal suchen freigegeben waren („noodeling“ genannt). Da hab ich mich sofort aufgemacht, in der Hoffnung dort den grossen Reichtum zu finden und all meine Geldsorgen auf einen Schlag erledigt zu haben. Es war ein schöner Opalrausch für 2-3 Stunden, in denen ich in der prallen Sonne mich durch die grossen Stein- und Sandberge grub, dreckig bis zu den Ohren :-) Doch ich erkannte bald, welcher Fata Morgana ich aufsass. Zumal ich nicht wirklich eine Ahnung hatte, nach was ich suchen sollte und wie ich es da finden wollte… Ich ging dann ins nahe Museum und schaute mir an, wie es hier so geht (siehe Bildergalerie oben). Danach war Zeit für eine Stärkung und zur Weiterfahrt in den Outback. Noch ein herzliches Dankeschön an den „Mate“ vom Camping, es war eine tolle Begegnung. Und schön war das „noodeling“ dennoch :-)
 
Den kommenden Abend verbrachte ich allein im Busch ein Steinwurf vom Highway entfernt, es war richtig schön allein draussen ein Feuer zu machen und so ganz allein im Nirgendwo zu sein. Am nächsten Tag gings weiter dem Stuart Highway entlang bis zur Abzweigung des Lassetter Highway, auf welchem es nach Urulu (Ayers Rock) rüber ging. Auf einem Camping entlang des Highways hab ich mich dann im Sand festgefahren und musste mich von anderen jungen Reisenden mit einem Allrad rausziehen lassen. Es wurde ein schöner gemeinsamer Abend mit Schlangenbrot und Wein am Feuer (Danke an Thomas, Michaela, Becky, Esthel und Dominik):
 

Und dann der Aufbruch zum Höhepunkt dieses Trips, nach Uluru wie der Ayers Rock nun wieder heisst, nachdem er von den Aboriginies schon seit Urzeiten genannt wird. Der Name Ayers Rock (wie auch Mt. Olga) hat der Goldsucher Lassetter vergeben, als er im 19. Jahrhundert zu Kamel herbeigeritten, die beindruckenden Berge entdeckte.
 
Es wurden beeindruckende zwei Tage im „Urulu und Kata Tutja National Park“:
 

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Am ersten Tag hab ich mir einen ersten Überblick verschaft und dann den rund 50km entfernten Kata Tutja (Mt. Olga) angegsehen, am zweiten Tag hab ich meine Morgenmeditation am Urulu gemacht und dann diesen zu Fuss umrundet, in gut dreieinhalb Stunden, ein unvergessliches Erlebnis. Dies nicht nur landschaftlich oder durch die schiere Mächtigkeit dieses Berges. Die Kraft die von diesem Platz ausgeht ist stark, ich stand oft einfach nur am Wegesrand und hab den Berg auf mich mich wirken lassen. Ein einmaliges Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Sehr kraftvoll.
 
Am Nachmittag machte ich mich dann auf zur Weiterreise nach Alice Springs, erreichte dies dann am nächsten Tag und hatte dort Zeit für ein schönen Stadtspaziergang und einen Kaffee. Hier die Impressionen auf dem Weg dahin und aus Alice Springs.
 

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Dann weiter in Richtung Norden dem Stuart Highway entlang, unter anderem nach Mataranka mit den Bitter Springs. Das ist eine Thermalquelle im wunderschönen subtropische Regenwald in der ich spät abends und früh morgens einen herrlichen Schwimm genommen habe, am Morgen bin ich sogar mit den Schildkröten geschwommen, sechs bis sieben habe ich auf den rund hundert Meter gesehen. Das war wunderbar.
 

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Und dann weiter auf dem letzte Ritt nach Darwin, wo ich am 8. Mai abends gerade noch rechtzeitig meinen kleine niedlichen Camper gewaschen und geputzt zurückgeben konnte. Er war die Reise absolut wert.
 
 
Hier noch einige Impressionen vom Stuart und Lasseter Highway, den fast 4000km vom Süden in den Norden Australiens:
 

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Dieser zehntägige Trip war ein grossartiges Erlebnis, es war absolut gut, dass ich dies mir ermöglichte und bin dankbar, dass ich dieses wunderbare Land auf diesem Weg erfahren durfte. Der Trip hat mich mit Australien versöhnt und mich das andere Australien erfahren lassen, mit dem ich mich mehr verbunden fühle.
 
Ein wunderbares Erlebnis.
Schön wars.
 
 
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