Kritik an der Permakultur

Auf der Kräuterfarm bin ich mit einer starken Gegenmeinung zur Permakultur begegnet. Spannend, dass dies direkt nach meinem Besuch auf der Farm von David Holmgren geschieht. Und ich ziehe da meine Meinung heraus und werde weiter mich für Permakultur interessieren, vielleicht nun etwas differenzierter ;-)
 

Die Hauptpunkte der Kritik sind:
  • Die Permakultur ist nur eine Marketinggeschichte, die altbekanntes Wissen gesammelt mit einem Markenstempel versieht und daraus ein Geschäft macht
  • Alles was in der Permakultur proklamiert wird, ist nichts anderes als gesunder Menschenverstand
  • Den Permakulturleuten geht es nur darum, Kurse und Dienstleistungen zu verkaufen, ohne selber je ernsthaft in der Landwirtschaft tätig sein zu wollen
  • Es gibt keine Permakultur-Landwirtschaft in kommerzieller Grössenordnung
Nun, ich versuche mal von meiner Seite eine Annährung an die Kritikpunkte vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen und Sichtweisen.
 
Es ist vollkommen richtig dass die Permakultur eine Sammlung von althergebrachtem Wissen ist, die Permakultur ist ja aus dem Studium der alten Kulturen entstanden, die es geschafft haben, im umgebenden Ökosystem in nachhaltiger Weise Landwirtschaft zu betreiben. Für mich, der nicht aus eine Familie kommt, die über Jahrhunderte Landwirtschaft betrieben hat, ist diese Kompilation von gesammelten althergebrachten Wissen durchaus sehr wertvoll und nützlich. Zumal das Wissen in einer sehr systematischen und auf die Wirkungszusammenhänge ausgerichteten Weise strukturiert ist.
 
Und ja, es ist richtig das ein Teil der Leute in der Permakultur-Strömung ein gewaltiges „Bohei“ um die ganze Thematik machen. Zum Beispiel das Milkwood-Institut – dort wo ich mein zweiwöchigen Permakultur-Design-Kurs machte – macht grosses Marketing und extrem viel Werbung, um alle Kurse im Jahr vollzukriegen, die Ausbildung von Leuten in Permakultur und damit verwandten Themen ist mittlwerweile ein Vollzeit-Geschäft. Und auch andere, die mir begegnet sind, die machen aus jeder Kleinigkeit, die es wahrscheinlich schon seit Urzeiten gibt, ein speziell geniales Feature der Permakultur draus (Beispiel: senkrecht aufgehängte Fahrräder zur optimalen, dreidimensionalen Raumnutzung in der Permakultur im urbanen Umfeld…)
 
 
Ja, es ist weiter richtig, dass die augenfällig häufgsten Dienstleistungen rund um die Permakultur Ausbildung, Workshops und Beratungen sind. Dies liegt wohl auch an der Tatsache, dass genau diese mit dem Stichwort Permakultur werden, während Anwender von Permakultur, sprich die Farmer und Gärtner ihre Produkte bewerben und nicht das Stichwort Permakultur. Dennoch sind mir Farmer begegnet, die Ideen und Konzepte aus der Permakultur auch in ihrer etablierten, zum Teil über Generationen übertragenen Landwirtschaft einbringen und damit gut arbeiten können. Leider hab ich es bisher nicht geschafft, mir solche Farmen zu wwoofen, hab das aber unbedingt vor. Möchte selber sehen und lernen, wie sich die Permakultur in einem grösseren Stil und im produktiven Einsatz einer auf Lebenserwerb zielenden Landwirtschaft einsetzen lässt. Da dürfte es schon Unterschiede geben, gegenüber dem Einsatz in Hinterhofgärten im urbanen Umfeld. Dennoch, Melliodora ist ein lebendes Beispiel und das ist gerade das was David Holmgren fordert: etabliert funktionierende Beispiele der Permakultur, davon können andere am meisten lernen.
 
 
Trotz aller berechtigter Kritik sehe ich die Permakultur immer noch als einen essentiellen Wissenschatz für eine nachhaltigen Lebensweise. Und ich werde sicher Elemente davon in mein Leben einbringen und bei einem Einstieg in die Landwirtschaft die Herangehensweise und Konzepte berücksichtigen.
 
Was der vehemte Kritiker von der Kräuterfarm übrigens auch tut, auch wenn er die Permakultur so strikt ablehnt…
 
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