Permakultur

Die letzten zwei Wochen habe ich einen „Permaculture Design Course“ besucht, eine sehr intensive Ausbildung über 14 Tage. Dies hat ziemlich spontan mein Weg gekreuzt, erfahren habe ich davon nach Weihnachten, angemeldet an Neujahr und am 4.1. gings schon los. Und es ist genau das richtige und gibt mir eine klare Perspektive für die kommende Zeit. Hier eine kurze Beschreibung der Permakultur, basierend auf dem frisch gelernten…

 
Permakultur ist für mich ein Weg, Lebensräume nachhaltig zu gestalten. Die Lebensräume können eine Stadtwohnung mit Terrasse, ein Reihenhäuschen mit Garten rundrum, ein grosses Gartengrundstück auserhalb, ein klassischer Bauernhof, eine Lebensgemeinschaft im ländlichen oder urbanen Umfeld oder ganze Siedlungs- und/oder Anbaugebiete sein.
 
Die Permakultur ist eine grundlegende Herangehensweise, diese Lebensräume so zu gestalten, dass sie die verfügbaren Ressourcen optimal nutzen, dem umliegenden System nicht mehr entnehemen, als dieses regenerieren kann und alle Inputs und Outputs nach Möglichkeiten miteinander verknüpft sind. Dies schafft Lebensräume, die dicht verknüpft und damit stabil und resillent auf Veränderungen reagieren können und dazu noch ergiebig sind. Genauso wie es die Natur macht, wenn man ihr ihren Lauf lässt.
 
Die Permakultur ist im wesentlichen ein Design-Framework, um solche Lebensräume in ganz unterschiedlichen Kontexten zu realisieren, es ist eine Lebensphilosophie und eine Bewegung die vom grossen Ganzen ausgeht und Veränderungen im Kleinen anstossen möchte.
Die drei Kernprinzipien sind:
  • Earthcare (Kümmern um die Erde): Wie gehen wir mit den natürlichen Ressourcen unseres umliegenden Ökosystems um und geben wir mindestens soviel zurück, wie wir nehmen?
  • Peoplecare (Kümmern um die Mitmenschen): Wie gehen wir mit den Mitmenschen in unseren Systemen um, kümmern wir uns um sie und integrieren wir sie in die geschaffenen Systeme?
  • Fairshare (fairer Tausch): Können wir unsere Produkte in fairer Weise tauschen, Überschüsse aus unserem System mit anderen fair teilen und nach fehlenden Inputs für unser System in unser Umgebung nachfragen?
Die Prinzipien sind unabhängig von der Grösse und Eigenschaften des konkreten Projekts, die Prinzipien der Permakaltur werden jedoch immer entsprechend dem konkreten Kontext angewandt. Die folgenden zwölf Prinzipien der Permakultur unterstützen uns als Orientierungshilfe im Design konkreter Projekte:
  1. Beobachte & interagiere (Observe & interact)
  2. Erfasse & speichere Energie (Catch & store energy)
  3. Ernte einen Ertrag (Obtain a yield)
  4. Wende Selbst-Regulation an und akzeptiere Feedback (Apply self-regulation & acceppt feedback)
  5. Nutze und schätze erneuerbare Ressourcen und Dienste (Use & value renewable ressources & services)
  6. Erzeuge keinen Abfall (Produce no waste)
  7. Gestalte von den Mustern hinein in die Details (Design from patterns to details)
  8. Integriere statt zu trennen (Integrate rather then segregate)
  9. Nutze kleine und langsame Lösungen (Use small & slow solutions)
  10. Nutze und schätze Vielfältigkeit (Use & value diversity)
  11. Nutze Ränder und schätze das Geringfügige (Use edges & value the marginal)
  12. Nutze Veränderungen kreativ und antworte kreativ auf sie (Creativly use & respond to changes)
Die Umsetzung in einem Permakultur-Projekt erfolgt, nach dem aktuellen Stand der Lehre, entsprechend dem folgenden Designprozess:
  • Besuch des Interessenten und erste Inspektion des Gelände
  • Zieldefinition mit dem Interessenten und allen Betroffenen
  • Gelände-Analyse und Einschätzung (unterteilt in verschiedene Aspekte)
  • Entwickeln des Permakultur-Designs für das Gelände entsprechend den Zielen (Konzeptdesign, schematisches Design, detailliertes Design)
  • Implementation des Permakultur-Design
  • Pflegen und unterhalten des Geländes
  • Resultate auswerten und beobachten was funktioniert und was nicht
Das wichtigste ist: der Permakultur-Design-Prozess ist nie zu Ende. Er beginnt immer wieder von neuem mit „Beobachte und Interagiere“.
 
Neben den grundsätzlichen Themen gibt es natürlich auch all die konkreten Techniken und Werkzeuge, hier kurz zusammengefasst, in den folgenden Themenbereichen:
  • Klima und Wetter: Klimazonen, globale Einflüsse, Analyse des lokales Wetter, Erfassen und schaffen von Mikroklimas
  • Landschaften: Formen, Ausmessung, Konturen und Gefälle, Erstellen von Karten für Design
  • Wasser: Eigenschaften, Wasser-Audit und Berechnungen, Einsickern-Speichern-Nutzen, Bewässerungsysteme, Wasseraufbereitung
  • Erde: Eigenschaften, Erdprofil, Erdanalyse, Organismen und ihre Wechselwirkung, Nährstoffe und ihre Kreisläufe, Düngsysteme (Kompost, Wurmfarm, Bio-Dünger, Grün-Dünger, Tier-Dung, …)
  • Wälder: Wälder als eigene Ökosysteme, Bäume und ihre Energieumwandlung, Ebenen in Wäldern und ihre symbiotische Beziehungen, Wechselwirkungen zu anderen Spezien und umliegenden Ökosystemen, Bäume und Wälder als Schutz vor Wind und Erosion, der Wald-Garten (der „essbare“ Wald).
  • Pflanzen, Tiere und andere Organismen: funktionale Beziehungen zwischen den Spezien in einem Ökosystem, jährliche Pflanzen, mehrjährige Pflanzen, Pflanzungssysteme (Rotationen und symbiotische Beziehungen), Tiere und ihre Funktionen im Ökosystem, Pilzsysteme (in der Natur und der Zucht), Aquaponic (Fish- und wasserbasierte Pflanzensysteme),
  • Energie und Bau von Gebäuden: Techniken zur Energieerzeugung, passive Bauweisen, Speicherung von Energie
  • Modelle in der Permacultur: Das Zonen-Modell, Muster in der Natur, verschiedene Layer in der Analyse, funktionale Verbindungen, Netzwerke in der Natur und Gesellschaft
  • Social Permaculture: lokale Märkte, Tauschnetzwerke, Ausbildungen/Workshops, Nachbarschafts-Initiativen, Gemeinschaften, Transitional Towns, Netzwerke auf verschiedenen Ebenen
Zum historischen Hintergrund der Permakultur:
Das Konzept der Permakultur ist von Bill Mollison und David Holmgren hier in Australien, genauer in Tasmanien, entwickelt worden. Beide haben zusammen in den 70er-Jahren an der Universität von Hobart untersucht, welche Völker es in den vergangenen Jahrtausenden geschafft haben, im Einklang mit ihrem Umfeld zu leben und nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als die Natur zur Verfügung stellen bzw. wieder regenerieren kann. Was all diese erfolgreichen Kulturen verbindet, sind die obenstehenden drei Kernprinzipien Earthshare, Peoplecare und Fairshare.
Die weitere Ausarbeitung der Permakultur ist wesentlich beeinflusst von den Werken von: Ernst Haeckel (definierte erstmals Ökologie), Jan Smuts (Holistik), Rudolf Steiner (Bio-Dynamik), J. Russel Smith (Permakultur in Wäldern), Sir Albert Howard (Bio-Landwirtschaft), P. A. Yeomans („Keyline“-Wassersysteme), Rachel Carson (Umweltbewegung), Masanobu Fukuoka (Nichts-Tun-Landwirtschaft), George Lai Chan-Yu-Tin (Integrated Farming) und weitere.
 
Folgende Literatur wird empfohlen (in English, deutsche Quellen folgen):
  • Bill Mollison: Permaculture – A Designers‘ Manual
  • David Holmgreen: Permaculture – Principles & Pathways beyound Sustainability
  • Dave Jacke: Edible Garden Forest, Vol. 1 & 2
  • Rosemary Morrow: earth user’s guide to permaculture
Mein persönliches Fazit:
Der Permakultur-Kurs ist morgen zu Ende, es waren zwei sehr intensive Wochen, aber ich weiss, das ich mit der Permakultur ein essentielles Thema für mich gefunden habe. Die ganze Denkweise, systematisch, kybernetisch, ganzheitlich und vernetzt entspricht genau meiner Sicht auf die Welt. Die grundlegende Motivation zu einer besseren Welt beizutragen, und dies in einer für mich sehr glaubwürdigen Weise, ist die Motivation, mit welcher ich in die Welt hinaus bin. Hier bekomme ich nun den Überbau und die Werzeuge und es ist gleichzeitig ein Beitrag für die Veränderung von unten. Den Design-Prozess bin ich von meinen IT-Projekten schon über 20 Jahre geübt, nur der Inhalt wechselt. Das wunderschöne ist, dass ich nun richtig kreativ werden kann, es richtig fliesst und mir das zeichnerische Gestalten einfach von der Hand geht. Mir ist ein richtig gutes individuelles Design-Projekt gelungen (das ich weiter verfeinern werde) und auch die Zusammenarbeit im Gruppen-Projekt war sehr inspierierend. Es macht mir so richtig Spass und Freude, und genau so sollte es für meine Zukunft sein.
 
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Ein Kommentar zu Permakultur

  1. freddie braendli sagt:

    Lieber Thomas
    Dein Bericht ueber die Permakultur hat mich sehr inspiriert. Du hast schon so viel theoretisches Wissen und praktische Erfahrung…..es wäere sicher an der Zeit, all diese inneren Schaetze nun sichtbar zu machen, oder nicht? Und du hast zudem das Knowhow Websites zu gestalten. Weder meine Projekt-kollegen noch ich sind in der Lage so etwas aufzustellen. Selber bin ich nicht in die Computerwelt hineingewachsen und da ich ziemlich intensiv praktiziere fehlt mir auch die Zeit dazu.
    Du wärst auf jeden Fall ein grosser Gewinn in unserem Team. Würde mich riesig freuen, dich in LL zu begruessen.
    Die meisten Pachtverträge laufen erst Ende 2015 aus, wenn ich dies richtig verstanden habe. Doch hoffe ich aufrichtig, dass wir trotzdem auf einigen Parzellen kleine Hütten fur uns aber auch für Tiere aufstellen können. Ebenfalls mussen wir entscheiden auf welchen Parzellen wir arbeiten wollen und eine Analyse der Erde der jeweiligen Plätze muss gemacht werden.
    Ich reise also am 22 Februar zurück nach LL und suche dort eine Unterkunft in Roqueredonde für die nächste Zeit.

    Also, mach es gut und lass mich wissen, wie es dir geht

    Freddie

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