Bei den zwölf Stämmen und weiter auf dem Weg des Herzens

Mittlerweile bin ich ganz in Australien angekommen. Nach einem vierwöchigen Abstecher bei den zwölf Stämmen bin ich nun wieder unterwegs. Mit einem neuen Wanderstock, per Autostopp und natürlich mit Übernachtungen draussen in der freien Natur. Nur die Pflanzen, Tiere und Menschen sind hier etwas anders ;-)
 

Nachdem verlassen von Sydney habe ich ein paar Tage in Bondi Beach verbracht. Es war einfach mal ein rauskommen aus der Stadt, die mir mittlerweile viel zu hektisch erschien, wobei sie keineswegs hektischer als zum Beispiel Frankfurt ist. Für mich war es wichtig, zur Ruhe zu kommen, etwas zu entspannen und zu schauen, wohin es weitergehen kann. Es wurden fünf schöne Urlaubstage in einer typischen Strand-Trabantenstadt (in Frankreich würde sie typischerweise mit „- les plages“ enden).
Meine Recherchen über das Wwoofer-Forum und das Workaway-Portal (beides Plattformen, wo Arbeit gegen Kost und Logis vermittelt wird) führten mich dann zu einer spirituellen Gemeinschaft eine Stunde südlich von Sydney: Learn how to bake organic bread near Wollongong
Ich war einfach neugierig, welche Art der Spiritualität diese Menschen da leben. Es wurde ein spezielles Erlebnis. Das besondere an dieser Gemeinschaft ist, dass die Menschen sehr konsequent die Liebe aus dem Herzen leben, dies kommt sehr deutlich im Zusammenleben und in ihrer aufopfernden Haltung in der Arbeit zum Ausdruck. Der Umgang untereinander und zu den Gästen ist sehr herzlich und respektvoll, eine warme und im ersten Eindruck sehr getragene Atmosphäre. Es ist in beeindruckend zu erleben, wie so etwas in einer Gemeinschaft von rund fünfzig Menschen funktioniert, ohne sichtbare Konflikte und im herzlichen Umgang bei Fehlern und Missverständnissen. Doch auf den zweiten Blick – nach 2-3 Wochen – kann man dann doch bemerken, das die gelebte Herzensqualität individuell unterschiedlich ist (wie im normalen Leben).
Soweit so gut die positive Erfahrung, was mir dann doch ziemlich auf den Sack ging, waren einige penetrante Bekehrungsversuche, als mich einige „Brüder“ unbedingt zu ihrem Glauben konvertieren wollten. Dazu kamen einige fundamentale Ansichten zu der heilen Welt innerhalb der Gemeinschaft der zwölf Stämme (zu der rund 20 weitere solche Gemeinschaften weltweit gehören) und der Welt ausserhalb, die aus deren Sicht durch das Böse (englisch: evil) beherrscht wird.
Das entspricht – gelinde gesagt – überhaupt nicht meiner Wahrnehmung der Welt. Dies zu vermitteln war aber gar nicht möglich, dazu war die Haltung der meisten zu fundamental. So half mir ein glückliches Missverständniss, die Gemeinschaft am letzten Wochenende zu verlassen.
 
Und ich muss sagen: Puh, bin ich froh da draussen zu sein. Schade, dass es mit dem Brot backen lernen in der Zeit nicht ganz gereicht hat… Und kurz zusammengefasst: es sind sehr liebenswerte Menschen, aber sie sind schon arg fundamental religiös. Das ist nicht mein Weg.
 
Und so konnte ich Dank weiterer sehr glücklicher Umstände mit besonders lieben Menschen aus der Welt ausserhalb einige Tage in Sydney und den schönen Blue Mountains verbringen. Hier ein paar Impressionen aus Katoomba (Three Sisters, Sonnenuntergang über den Klippen, Katoomba Street):
Jetzt bin ich mittlerweile wieder auf dem Weg nach Sydney hinein, um bei einem Event für einen grossen tibetisch-buddhistischen Meister mitzuhelfen. Garchen Rinpoche, den ich früher schon mehrmals kennenlernen durfte, ist für mich die lebendige Verkörperung der liebenden Güte. Er war zwanzig Jahre durch die Chinesen inhaftiert, wurde geschlagen und gefoltert. Er hat all dies überwunden und zu Liebe transformiert, sodass er sich am Ende sogar um das Wohlbefinden der chinesischen Wächter und ihrer Kinder kümmerte. Ihn zu erleben berührt mich immer wieder sehr tief, so freue ich mich auch sehr auf die kommenden Tage. Soweit der aktuelle Reisebericht.
Es scheint mir gerade, dass die Entwicklung der Herzensqualität für mich das anstehende Thema ist :-)
Hinweis: Im weiteren werden auch Artikel in englischer Sprache für meine englisch sprechenden Freunde hier im Blog erscheinen. Sie enthalten sinngemäss den gleichen Inhalt wie die deutschprachigen Artikel, auch wenn sie keine eins-zu-eins Übersetzungen sein werden (und bitte keine Kommentare zum englischen Schreibstil, der sicherlich entwicklungsfähig sein wird).
 
 
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