Abrissbirne & Unterbruch der Reise

Seit Ende März habe ich das Kloster verlassen, das alte Leben hat mich wieder ein Stück weit eingeholt. Es fühlt sich an, wie wenn einem völlig unerwartet von hinten die Abrissbirne erwischt: völlig überaschend und mit voller Wucht. Da liege ich nun, orientierungslos und rapple mich wieder auf.
 
Der Anlass war ein Schreiben des Finanzamtes mit einer Steuernachforderung, die weit über mein Erspartes hinausging, bedingt durch die nachträglich veranlasste getrennte Veranlagung meiner ehemaligen Frau. Da war ich nun, völlig überwältigt von diesen Entwicklungen. In den folgenden Wochen war ich mit vielen Dingen beschäftigt, innerlich mit einer Reihe von Ängsten (ich bin am Ende, ich bin Insolvent, ich muss meine Altersvorsorge auflösen), äusserlich mit vielen administrativen Anforderungen.
 
In diese Zeit kam dann auch noch ein persönliches Gespräch mit dem Abt des Zen-Klosters, in welchem er mich als Schüler ablehnte und es damit Zeit wurde, diesen gesegneten Ort zu verlassen. Damit hat sich eine Illusion aufgelöst und das ist gut so. Es fiel mir nicht leicht, den Ort zu verlassen, an dem ich mich so wohl fülte, Traurigkeit ist das dominierende Gefühl. Und denoch mache ich mich auf, um mich um die weltlichen Dinge kümmern.
 
Dies habe ich nun in den vergangenen Wochen gemacht, ich war zum Teil bei meinem Freund, wo ich zuletzt wohnte, dann auch in Zürich und Frankfurt, damit alles geregelt werden kann, was zu regeln ist. Nun ist all dies fast vollbracht, alle meine Wertgegenstände sind versilbert, meine Rentenversicherung aufgelöst und die Zahlung ans Finanzamt geleistet. Damit sind alle Verbindlichkeiten beglichen und ich bin wieder frei.
 
Damit geht meine Reise weiter!
 
Es zeigt sich mit dem Weggang aus dem Kloster, dass sich der Charakter meiner weiteren Reise ändern wird. Es sind ja nun schon elf Monate um, das geplante „mindestens ein Jahr“ ist damit fast erreicht. Es war eine reiche Zeit an Erfahrungen, sowohl äusserlich wie innerlich. Mittlerweile bin ich mit meiner inneren Stimme mehr vertraut, sie ist mein weiser Wegbegleiter und führt mich immer mehr. Äusserlich gibt es immer weniger, was mich herausfordert, Übernachtungen im Schnee und bei eisiger Kälte habe ich offenbar überlebt.
 
Darum wird es im Weiteren aber nun weniger gehen. Der Charakter wandelt sich von „Challenge“ (Herausforderung) mehr in Richtung „Discover“ (Entdecken) im Sinne von: wohin geht meine Neugier? Da tauchen verschiedene Dinge auf (Praktikum bei einem Schnapsbrenner, Koch auf einer Berghütte, …), am deutlichsten ist jedoch nun der Schritt – nachdem alles Administrative hier abgeschlossen ist – richtig in die Welt hinaus zu gehen. Konkret schwebt mir Australien, Neuseeland und danach Asien vor. Mal sehen, was wird…
 
So ist „der Plan ist kein Plan zu haben“ kein Dogma mehr, ich erlaube mir nun auch gezielter, mich dahin zu wenden, wo die Neugier hingeht. Dennoch werde ich weiter offen bleiben für Neues und Überraschendes. Die Neugier dient mir als Wegweiser, meinen Weg in eine Richtung auszurichten, ohne zu wissen, was da zu finden sein wird…
 
 
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