Die Fragen selber lieb haben

Ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, welches mich seit 3 Jahren begleitet, mir immer wieder begegnet und jetzt auf dem Weg zum ständigen Begleiter wird, weil ich feststelle, dass ich in Antworten hineinlebe zu Fragen die mich schon lange Zeit begleiten.

 
Man muss den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von Innen kommt und durch nichts verdrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist Austragen und dann Gebären –
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt – ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer kommen könnte –
er kommt doch !
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit.
 
Man muss Geduld haben –
gegen das Ungelöste in seinem Herzen
und versuchen die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben und wie Bücher,
die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben:
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken, eines fremden Tages
in die Antwort hinein.
 
Rainer Maria Rilke
 
 
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Ein Kommentar zu Die Fragen selber lieb haben

  1. Rohini sagt:

    Das Gedicht ist wunderschön. Ja, so soll es sein – ein gutes Gegenstück zu der Hektik des Alltagslebens – ein guter Beitrag zur Entschleunigung.
    Rohini

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