Schreibkrise

Seit Wochen schiebe ich es vor mir her, meinen Freunden wieder mal ein Update von meiner Reise zu schreiben. Und es will nicht fliessen, es fehlt der zündende Gedanke, ich sitze wie vor dem weissen Blatt. Wie durch das Auseinandersetzen mit der Blockade diese sich verwandelt.

Während ich in den vergangenen Tagen angefangen habe dieses Blog aufzubauen und rückwirkend seit Beginn der Wanderschaft die Beiträge zu schreiben, wurde mir einiges über meinen „Schreibstau“ klar. Vor diesem Blog hatte ich zu Freunden über eine Mailingliste Kontakt, die letzte Mail schrieb ich von meinen Erlebnissen am Bodensee, das ist nun drei Monate her. Seither ist Sendepause und es herrscht eine innere Blockade zum weiter schreiben.
Mein innerer Anspruch, etwas „Besonderes“ schreiben zu müssen, hat dazu geführt, dass ich gar nichts mehr schreiben konnte. Es fühlte sich immer mehr als ein Tun-Müssen an und floss gar nicht mehr. Damit erzeugte ich in mir immer mehr Druck, bis es vorgestern richtig krampfhaft wurde, überhaupt noch eine Zeile zu schreiben. Soweit der Zustand.
Mit dem Erkennen dieses Zustandes entschied ich mich, meine ganze Aufmerksamkeit dem Hindernis zu widmen, statt dem Ziel. Was blockiert mich? Was ist mein Anliegen und wie stehe ich mir im Weg? Ich schrieb detailliert alle Aspekte des Hindernisses auf, der Alternativen und was wiederum dagegen spricht. Weiter liess ich alle Gefühle zu, die dabei jeweils auftauchten und liess ihnen Raum. Zum Ende extrahierte ich zwei Fragestellungen aus dem Ganzen heraus:
  • Für wen schreibe ich und warum?
  • Wieviel Einblick in meine persönlichen Prozesse möchte ich öffentlich preisgeben?
Dies war gestern abend, mit den zwei Fragen lies ich das Thema los und ging ins Bett.
Heute morgen mit dem Aufstehen war die Klarheit zu den Fragen da. Ganz offensichtlich hat das Unterbewusstsein in der Nacht ganze Arbeit geleistet und die Fragen für mich geklärt.
Dieses Blog schreibe ich für all die Menschen, die mich kennen und die an meiner Reise in die Welt interessiert sind. Und ich mache es für mich, um einige meiner Erfahrungen mit anderen zu teilen, dies als Akt des Gebens und andere Mit-Teilhaben lassen. Und ich bin mir der Öffentlichkeit bewusst und werde im Einzelfall abwägen, wieviel Einblick ich in meine persönlichen Prozesse geben möchte. Dies ist etwas, was sich immer wieder ändern wird.
 
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2 Kommentare zu Schreibkrise

  1. Barbara Luft sagt:

    Ich kenne den Prozess des Schreibens und im Fluss des Schreibens zu sein und den Zustand dessen, dass mir nichts einfällt. Wenn mir nichts einfällt, weiß ich, dass die Zeit des Sammelns angesagt ist: neue Eindrücke in der Gegenwart sammeln, bis sich wieder etwas verdichtet und der Schreibfluss einsetzt. Ich schreibe allerdings auch in erster Linie für mich selbst, um zu reifen und mehr Erkenntnisse zu gewinnen. Von dem, was ich geschrieben habe, greife ich hinterher etwas heraus, von dem ich denke, dass andere sich mit ähnlichen Themen herumschlagen und es deswegen ein Interesse dafür geben könnte. Dann verbessere ich noch einmal die Formulierungen, streiche das heraus, was zu persönlich ist und nur mich etwas angeht. Erst dann reiche ich es an andere weiter. Daneben denke ich noch darüber nach, ob ich daraus etwas Zusammenfassenderes wie
    z.B. ein Buch machen möchte, aber auch das lasse ich langsam wachsen, immer unter dem Vorbehalt, dass ich es auch lassen könnte.

    Herzliche Grüße
    Barbara

  2. Rohini sagt:

    Lieber Thomas,
    es ist schön mitzuerleben wie du dem Thema Schreibkrise auf den Grund gegangen bist. Danke für das Teilen Deiner Wanderschaftserlebnisse. Ja, sei achtsam und liebevoll mit Dir und teile nur das was – und dann wann Du teilen möchtest.

    Alles Liebe Rohini

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