Durch die Hügel am Bodensee

Von Lindau aus durch die Hügel nördlich des Bodensee's: Erfahrungen eines Wandersmann in der Landwirtschaft, eine offenbar fast ausgestorbene Gattung.

Von Sieben Linden aus bin ich in zwei Tagen an den Bodensee getrampt, was erstaunlich gut lief (750 km in 45 h). Natürlich machte ich unterschiedliche Erfahrungen, viele waren aber wohlwollend und ich hatte einige spannende Begegnungen.

Von Lindau lief ich dann los, einfach in die Hügel nördlich des Bodensee's hinein. Am ersten Tag musste ich aufgrund ziemlich strömenden Regens relativ früh am Nachmittag unter einem Scheunenvordach eines Campingplatzes Schutz suchen. Wie es sich herausstellte war der Chef des Campingplatzes ursprünglich Zimmermann und selbst zwei Jahre auf der Walz gewesen. Am liebsten hätte er gleich alles stehen und liegen lassen und wäre mit mir mitgekommen. Er gabe mir viele Tipps mit auf den Weg und nannte mir eine Unterkunft südlich von Ravensburg, wo sich Zimmerleute auf der Walz treffen würden, damit ich mit diesen Kontakt aufnehmen kann.

Am nächsten Tag lief ich dann voll motiviert über gut 20 km dahin, es stellte sich aber heraus, dass es diese Unterkunft nicht mehr gibt. Nach vielem rumfragen in den drei Dörfen stellte sich heraus, dass sich die Zimmerleute in dieser Gegend allenfalls noch lose treffen, es jedoch keinen festen Treffpunkt mehr gibt.

Okay, dann halt nicht… Damit entschloss ich mich, einfach so aufs geradewohl loszuwandern und zu schauen, wo auf Bauernhöfen meine Mithilfe benötigt wird…

Damit war ich dann weitere drei Tage und rund 50 km unterwegs, hab rund 40-50 Höfe abgeklappert mit folgendem Resultat: Die Kirschernte hat es verregnet, für den Rest brauchts keine Helfer mehr. Oder es gab zu ernten, dann war der Hof schon voll Polen (so war es einfach). Oder es war ein reiner Apfelbauer für deren Ernte es zu früh ist oder es gab einfach so nichts zu tun. Manche waren über mein Ansinnen amüsiert (Wanderarbeiter in der Landwirtschaft scheinen eine aussterbende Gattung zu sein), recht viele waren wohlwollend und gaben mir Tipps wohin ich mich sonst noch wenden kann und einige waren auch brüsk oder knapp, aber nie unfreundlich.

Am Mittwoch letzter Woche lief ich wieder mal durch strömenden Regen, auf dem Weg in ein Dorf hinein kam ich an einem LKW vorbei, von dem ein Garagentor abgeladen werden sollte. Nur war der Fahrer allein und die Empfängerin definitiv nicht gebaut, um da mitzuhelfen. Also hab ich spontan angepackt und mit abgeladen. Als Resultat erhielt ich vom Fahrer ein Zollstock und ein paar gute Handschuhe und die Kundin lud mich zu ihr in die Krankengymnastik-Praxis ein und verpasste mir zum Aufwärmen und Entspannen eine Fangopackung :-) Rührend hat sie sich währenddessen rumtelefoniert, welcher Bauer gerade ein Helfer brauchen kann. Leider hatte auch sie keinen Erfolg, immerhin ermutigte sie mich damit, es doch noch im Dorf und der Umgebung weiter zu probieren, denn mein Antrieb war schon ziemlich bei Null angekommen.

Aber es lief anders, ich fragte mich doch noch durch die Empfehlungen durch, erhielt von einem Strassenarbeiter weitere Empfehlungen und bin im Nachbardorf fündig geworden. Bei der letzten Empfehlung auf einem Bioland-Obsthof hat mich der Chef spontan aufgenommen, dort ich konnte ich für vier Tage auf dem Hof mitarbeiten und war gleich mit in der Familie integriert. Neben Arbeiten auf dem Hof hatte ich hauptsächlich in den Plantagen Unkraut gejättet oder Früchte bzw. Äste ausgebrochen, alles zur Vorbereitung für die Ernte im Spätsommer. Jeweils eine intensive Tagesarbeit. In der kurzen Zeit habe ich, dank den vielen Erklärungen des Chefs, einiges über den Obstanbau gelernt. Das macht echt Spass, Danke dafür und auch für die herzliche und offene Aufnahme durch die ganze Familie.

 

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